Zinsentwicklung 2012

Im abgelaufenen Jahr 2011 haben Kreditnehmer in Deutschland extrem von der Schuldenkrise im Euroraum profitiert, da internationale Investoren deutsche Staatsanleihen als einzige sichere Geldanlagemöglichkeit im “Euroland” sehen. Begründet wird dies mit der wirtschaftlichen Stärke von Deutschland und der so gesehenen Haushaltsdisziplin. Die daraus resultierende Nachfrage hat die Renditen von Bundesanleihen mit 10-jährigem Festzins auf unter 2 % und mit 1-jährigem Festzins in Richtung 0 % sinken lassen.
Bei der derzeitigen Inflationsrate von ca. 2,5 % errechnet sich eine negative Realverzinsung für Geldanleger in Deutschland. Dies wird akzeptiert, da bei einer Anlage in Staatsanleihen “schwacher” Euroländer die Befürchtung sehr groß ist, dass Verluste erlitten werden. Entweder nach dem Auseinderbrechen des Euros und der damit verbundenen Abwertungen der neuen Währungen dieser Länder. Oder nach einer Staatsinsolvenz.
Deshalb müssen die schwachen Euroländer derzeit im Vergleich zu Deutschland viel höhere Zinsen für ihre Staatsanleihen bezahlen. Diese Zinsstuktur spiegelt überhaupt nicht die Wirtschaftslage wider: Deutschland mit einer starken Konjunktur hat zu niedrige Zinsen. Und die südlichen Euroländer sowie Frankreich kämpfen nicht nur mit Rezession, sondern auch mit zu hohen Kapitalmarktzinsen, die Investitionen und die Zinszahlung bestehender Verbindlichkeiten deutlich erschweren.
Vor diesem Hintergrund muss es der Politik in 2012 gelingen, die Märkte davon zu überzeugen, dass alle Euro-Mitgliedsländer die Zinsen und Tilgung ihrer Schulden bezahlen können. Ansonsten bleibt dieses Ungleichgewicht bei den Euro-Zinsen bestehen. Und die schwachen Euroländer hätten weiterhin erhebliche Probleme zum Einen ihre Haushalte zu konsolidieren und zum Anderen die Wirtschaft zu stimulieren. In der Folge würde dann ein Land nach dem anderen zum Sanierungsfall und letztendlich zum Transferempfänger analog Griechenland werden. Klar ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich selbst Deutschland nicht mehrere “Griechenlands” leisten kann.


Langfristige Zinsen könnten steigen
Die Politik benötigt Zeit, um die europäischen Verträgen hin zu einer integrierten Wirtschafts- und Finanzpolitik anzupassen. Deshalb kommt der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Schlüsselrolle zu. Die EZB muss das System am Laufen halten, um den Kollaps zu verhindern. Ihre  Mittel sind “Geld drucken” und die Zwischenfinanzierung der Staaten sicherstellen. Hierzu wird die EZB die Leitzinsen niedrig halten und immer mehr Staatsanleihen schwacher Euroländer kaufen. Dies sollte zu fallenden Zinsen in den schwachen Ländern führen. Gleichzeitig könnten die Zinsen für langfristige deutsche Bundesanleihen steigen, da viele Anleger ihre spekulativen Positionen „Verkauf Krisenländer – Kauf Bundesanleihen“ schließen. Deshalb Prognose für die deutschen Zinsen im ersten Halbjahr 2012: Sehr niedrige kurzfristige Zinsen und steigende langfristige Zinsen.

Finanzierungen jetzt abschließen
Im zweiten Halbjahr gehe ich davon aus, dass die EZB versuchen wird, auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen in Euroland sehr tief zu halten, um einen Effekt der kontrollierten Inflationierung zu erreichen. (Dies wird von der amerikanischen und britischen Zentralbank bereits längere Zeit praktiziert.) Damit sollten im 2. Halbjahr 2012 auch die deutschen langfristigen Zinsen wieder fallen. Aktuelle Empfehlung für Kreditnehmer: die historisch niedrigen Zinsen sichern und möglichst langfristig festschreiben.

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