Zinspolitik der EZB

EZB weiterhin im Dilemma
In ihrer gestrigen Sitzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen auf dem historisch tiefen Niveau von 1% belassen.Der Präsident der EZB, Mario Draghi, hat dabei weiterhin die Aussichten der Konjunktur in der Eurozone kritisch eingeschätzt und die Risiken einer Inflation als harmlos dargestellt. Mit diesen Aussagen unterstreicht er das bekannte Dilemma in Euroland. Da stellt sich doch die Frage, für wen die EZB eigentlich Zinspolitik macht. Für den harten Kern strukturell gesunder Länder zu denen Deutschland, Holland und Österreich gehören?  Oder für die strukturell angeschlagenen Volkswirtschaften, die unter schwachem Wachstum und höheren Finanzierungskosten leiden? Gibt es für diese beiden Gruppen überhaupt eine vernünftige gemeinsame Zinspolitik?



Zinspolitik unterstützt die angeschlagenen Länder
Die strukturellen Unterschiede in den einzelnen Ländern Europas sind in den letzten zwanzig Jahren seit Beschluss der Währungsunion eher größer geworden. Der extreme Rückgang der Zinsen in den früheren Hochzinsländern des Südens hat bei gleichzeitigen hohen Transferzahlungen aus den Fördertöpfen der EU eine „Wohlstandsillusion“ entstehen lassen. Deutschland hat in dieser Phase ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum ausgewiesen und dehalb Strukturmaßnahmen vorgenommen, die die Wettbewerbsfähigkeit nochmals verbessert haben. Die Südländer haben dagegen die Vorteile mitgenommen, aber strukturelle Reformen versäumt. Die „Euroland-Sonderdividende“, die diese Länder aufgrund der Zinskostenersparnis bekommen haben, wurde nicht investiert, sondern verbraucht. Nun müssen diese Länder in Zeiten von Konjunkturabschwung und stark angestiegenen Finanzierungskosten einen Reform- und Sparkurs einschlagen. Dies führt selbstverständlich zu enormen Belastungen für die Bürger. Früher hätten die Südländer ihre Währungen abgewertet und eine Anpassung hätte eingesetzt. Diese Möglichkeit hat sich England offengehalten, indem sie dem Euro nicht beigetreten sind. Deshalb können sie nach wie vor über ihre Währung und eine eigenständige Zinspolitik agieren. Für die Südländer ist dieser Weg versperrt. Sie können nur die EZB drängen, eine möglichst „südländische Zinspolitik“ zu betreiben. Das gelingt seit dem Antritt von Mario Draghi auch ganz gut. Der extrem niedrige Leitzins, die Liquiditätshilfen für die Banken und der Versuch, den Euro nicht stark werden zu lassen, hilft den Südländern sehr. Aber für Deutschland baut sich eine Gefahr auf. Die Leitzinsen sind viel zu niedrig und lassen damit die Kreditzinsen auf einem sehr tiefen Niveau. Das führt nun bei uns unter anderem zu steigenden Preisen für Immobilien und somit auch zu anziehenden Mieten. Eine hohe Kapazitätsauslastung und eine hohe Beschäftigung sind zwar toll, bringen aber nun auch steigende Lohnforderungen und in der nächsten Runde steigende Preise mit sich. Die Inflationierung läuft an.

Inflation könnte Kreditzinsen mittelfrisitig verteuern
In den nächsten Monate wird sich aufgrund der o.g. Lage der Südländer nichts grundlegendes an der Zinspolitik der EZB ändern. Die Leitzinsen werden sehr niedrig bleiben und eventuell im Laufe diesen Jahres noch einmal gesenkt werden. Die deutschen Bundesanleihen werden weiterhin von den Investoren als sehr sicher eingestuft. Damit bleiben auch die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt in Deutschland niedrig; und somit auch die Baugeldzinsen hierzulande.



Somit kann in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin mit sehr attraktiven Zinsen für Immobilienkredite gerechnet werden. Allerdings besteht mittelfristig die Gefahr, dass steigende Inflationsraten die langfristige Zinsen steigen lassen. Deshalb sollten Sie jetzt mit einer langen Zinsfestschreibung für Kalkulationssicherheit bei Immobilienfinanzierungen sorgen.

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