EZB-Leitzins von 0,75 % auf 0,50 % gesenkt

Die Rezession in den Südländern, ein schwaches Wachstum in den Kernländern und sinkende Inflationsraten haben die Europäische Zentralbank (EZB) davon überzeugt, den Leitzins um 0,25 %-Punkte auf das neue Rekordtief von 0,5 % zu senken. Dieser Schritt wurde erwartet und beispielsweise von unserer Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel sogar gefordert. Der Präsident der EZB, Mario Draghi hat in seiner Erklärung den Verdacht, dass immer stärkerer politischer Druck diesen Zinsschritt mitbestimmt hat, von sich gewiesen. In den Vordergrund stellte er die niedrigere Inflationsgefahr und die Notwendigkeit, das Bankensystem zu mehr Kreditvergabe zu bewegen. Und das vor allem in den Südländern. Nun stellt sich allerdings die Frage: Wer in den Südländern soll diese Kredite überhaupt nachfragen?

  • Die privaten Haushalte leiden unter fallenden Immobilienpreisen und sind teilweise schon überschuldet.
  • Die Unternehmen halten sich aufgrund unsicherer Zukunftsaussichten mit Investitionen zurück.
  • Die öffentliche Hand konsolidiert und investiert nicht.
  • Gleichzeitig haben die Banken die Kreditkonditionen – trotz günstiger Refinanzierung – erhöht, da die Ausfallraten steigen und die Bankenbilanzen saniert werden müssen. Bei vielen Banken gibt es klare Vorgaben der Aufsicht, die Bilanzsummen zu verringern, was gleichbedeutend mit niedrigerer Kreditneuvergabe ist.

Mario Draghi versucht also Pferde zur Tränke zu führen, die bereits zuvor viel zu viel getrunken haben und keinerlei Durst verspüren. Deshalb drohen die Maßnahmen wie die Leitzinssenkung zu verpuffen.

Wiederholt hat Mario Draghi in der Pressekonferenz am 02.05.13 die Politik aufgefordert, Reformen umzusetzen und die Staatsfinanzen zu sanieren. Allerdings wird er scheinbar nicht gehört. Immer klarer wird die Front derer, die nicht Sparen wollen, sondern Wachstumsförderung über öffentliche Ausgaben und höhere Löhne zur Steigerung des Konsums fordern (Bsp. Frankreich, Portugal). Und da die EZB das System mit Zinsen von quasi 0 % vor dem Zusammenbruch bewahrt und die Finanzierung der Staatsdefizite extrem billig macht, erscheint ein Sparkurs auch gar nicht mehr notwendig – zumindest aus Sicht der unter hoher Arbeitslosigkeit leidenden Krisenländer.

Deutsche Immobilienkäufer profitieren

Für Deutschland passt diese Nullzinspolitik aufgrund der stabilen wirtschaftlichen Situation eigentlich überhaupt nicht. Daraus entstehen 2 massive Folgen:

  • Deutsche Sparer und langfristige Anleger werden  um ihre Zinserträge gebracht. Selbst zehnjährige Bundesanleihen liegen mit 1,17 Prozent Verzinsung weit unter der Inflationsrate. Es findet quasi eine Umlagefinanzierung vom deutschen Sparer in die Krisenländer statt. Italien und Spanien finanziert sich zu den niedrigsten Zinssätzen, die sie jemals seit Euro-Mitgliedschaft zu zahlen hatten. Diese Zinsersparnis ist nur möglich, weil Deutschland und die anderen Nordländer mit quasi Nullzinsen leben müssen, selbstverständlich auch zum Vorteil derer Staatshaushalte, aber zu Lasten der Zinserträge der privaten Sparer.
  • Deutsche Privathaushalte profitieren, wenn sie beispielsweise Immobilien kaufen und diese langfristig finanzieren. Die Hypothekenkredite in Deutschland sind auf historisch tiefem Niveau angelangt und ermöglichen enorme Vorteile bei der Finanzierung. Die Gefahr, dass damit in den Kernländern Immobilienblasen entstehen können, ist allerdings nicht von der Hand zu weisen. Ein “künstlich” tiefes Zinsniveau verleitet zu spekulativen Käufen und unbedachten Immobilieninvestitionen. Wenn in München zwischenzeitlich  für Wohnungen die vierzigfache Jahresmiete bezahlt wird geht das nur so lange gut, solange die Zinsen nahe Null sind. Bei einer Erhöhung des Zinsniveaus würde dieser Multiplikator wieder in Richtung des langfristigen Durchschnitts des fünfzehnfachen gehen. Die Folge wären deutliche Preisrückgänge.

Immobilienfinanzierung: Am besten mit hoher Tilgung und langen Sollzinsbindungen

Die Zinsen für Immobilienfinanzierungen werden in den nächsten Monaten weiterhin stabil tief bleiben. Im Herbst diesen Jahres könnte die EZB sogar die Leitzinsen noch weiter senken. Deutsche Bundesanleihen werden von internationalen Anlegern weiterhin gekauft. Damit bleibt das Zinsniveau im langfristigen Bereich niedrig. Das sind perfekte Rahmenbedingungen für Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer. Auf Sicht von 5 bis 10 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit von deutlichen Zinsanstiegen allerdings hoch. Denn die aktuellen Zinsen sind langfristig gesehen die absolute Ausnahme. Deshalb sind lange Sollzinsbindungen zu empfehlen. Gleichzeit sollte die Tilgung hoch gewählt werden, damit eine eventuelle Anschlussfinanzierung nur noch mit einem geringen Betrag notwendig wird.

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