Manipulierte Zinsen nutzen

In der Sitzung des Zentralbankrates am Donnerstag dieser Woche hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi die Aussagen von Anfang Juli wiederholt, aber auch nicht näher konkretisiert. Niedrige Zinsen, bis die Konjunktur in Euroland sich nachhaltig erholt. Eine Koppelung ihrer Entscheidungen an die Daten des Arbeitsmarktes oder an konkrete Ziele beim Wirtschaftswachstum (analog der US-Notenbank) will die EZB vorerst nicht eingehen. Allerdings möchte die EZB zukünftig die Protokolle ihrer Sitzungen veröffentlichen und damit Einblick in den Diskussionsverlauf zwischen den Mitgliedern des Zentralbankrates geben. Damit kommt die EZB wieder einen Schritt näher an das Verhalten von politisch besetzten Notenbanken heran.

Notenbank und Politik beeinflussen den Kapitalmarkt
Früher haben sich die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt aufgrund Angebot und Nachfrage gebildet. Heute leben wir in einer anderen Welt: Die Notenbanken nehmen direkten Einfluss auf die Preisbildung bei den langfristigen Zinsen und haben Nachfrage und Angebot längst ausgehebelt. Das passiert, so wie in den USA, einerseits durch massive direkte Aufkäufe von Staatsanleihen. Kann aber auch, so wie in Euroland, durch eine extrem formulierte Rhetorik passieren. Wenn also Draghi sagt, dass die EZB „alles denkbar notwendige tun wird, um den Euro zusammenzuhalten“, heißt das, dass er im Notfall  Staatsanleihen schwacher Länder aufkaufen wird – ist quasi eine Garantie.

Immobilien sind der Renner
In Euroland setzt die EZB eine einheitliche Zinspolitik für Länder um, die so unterschiedlich sind wie Deutschland und Griechenland. Deshalb ist für Deutschland, bezogen auf das Wirtschaftswachstum, das Zinsniveau viel zu niedrig. Private Haushalte haben das gemerkt und schichten ihr Geld um. Immobilien, ob bar bezahlt oder finanziert, sind der absolute Renner, da es für Spareinlagen praktisch keine Zinsen mehr gibt und gleichzeitig die Darlehenszinsen die niedrigsten seit 60 Jahren sind. Steigende Nachfrage nach Immobilien führt zu steigenden Preisen.

Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass diese tiefen Darlehenszinsen die Folge von manipulierten langfristigen Kapitalmarktzinsen sind. Ein Wort von Ben Bernanke (US-Notenbankchef) oder Mario Draghi kann genügen und die Zinsen steigen um ein oder 2 %-Punkte. Baufinanzierungskunden sollten für Zinssicherheit über längere Laufzeiten sorgen und dabei höher tilgen. Auch bei Anschlussfinanzierungen sollte eine Konstruktion gewählt werden, die bis zur endgültigen Schuldenfreiheit das Zinsänderungsrisiko weitestgehend ausschaltet.

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